Privilegien oder Tod!

Wenn wir vom Wachstumsdogma nicht loskommen und anfangen intelligent auf ein weltverträgliches Maß zu schrumpfen werden wir demnächst als Land und vielleicht auch als Spezies am Ende sein. Die simple und unbequeme Wahrheit ist nunmal die: Unbegrenztes Wachstum in begrenzten Systemen ist die Illusion, die man nur dann und das auch nur zeitweise haben kann, wenn man beim Schneeballsystem recht weit oben steht. Also da, wo wir gerade stehen und die Zeit der Illusion geht gerade zu Ende. Was mit sich verknappenden Ressourcen zwangsläufig passiert ist das sich verstärkende Einsetzen der Verteilungskämpfe. Also jener Kämpfe, die für die 4/5 der Welt seit langem normal sind und die wir bislang nur deshalb nicht wahrnehmen, weil wir noch zu den Schneeballsystemprofiteuren gehören, unseren absurden Wohlstand also mit der Ausbeutung des Rests sichern. Absurd, weil wir unterm Strich die meiste Energie darauf verwenden mit dem weltweit zusammengeraubten Potential Überfluss, also mehrheitlich, das Wort sagt es ja schon, Unnötiges zu produzieren. Diese Illusion wird enden, wenn die Verteilungskämpfe auch uns erreichen, was nach aktuell allen Szenarien bereits diese, spätestens de nächste Generation hierzulande voll treffen wird, falls wir nicht endlich einlenken und umdenken. Die für viele offensichtlich so dermaßen bittere Pille ist dabei ganz einfach die: Wir müssen uns als Gesellschaft grundlegend ändern oder wir werden wie historisch alle veränderungsunfägigen Gesellschaften untergehen. Das bedeutet andere Werte, andere Maßstäbe, andere Ziele und das wissen wir natürlich nicht nur unterbewusst oder erst seit gestern. Nicht zuletzt genau deswegen nimmt die Aggressivität des Diskurses stetig zu, begreifen es etwa ganze Kohorten älterer Politiker als Zeichen von adulter, ja reifer Intelligenz sich maligne an Jugendlichen abzuarbeiten, deren einziges „Verschulden“ es ist, auf die Warnrufe der Wissenschaften und das Einhalten der global geschlossenen Verträge zu verweisen. Aber genau das wollen wir nicht. Paris ist aus Sicht vieler als besänftigendes Lippenbekenntnis geplant, nicht als konkrete Handlungsaufforderung. Denn real kämpfen wir aktuell in allen Bereichen nicht darum schnellstmöglich durch Wandlungsvollzug handlungsfähig zu bleiben, sondern unsere drohende Handlungsunfähigkeit durch möglichst langes Weiterso zu zementieren. Schon der bloße Gedanke Verkehr, Wohnen, Konsum, Energie oder Wirtschaft auch nur ein Jota anders zu denken wird unmittelbar mit einem, man kann es nicht anders ausdrücken, hysterischen Apokalyptismus quittiert. Man kann diese Nahtoterfahrung von sich existentiell bedroht sehenden Konsumisten im alltäglichen Feldgeschehen beispielsweise sehr gut beobachten, wenn man die Kommentargefechte unter Triggercontainern wie beispielsweise Energie- und Mobilitätswende, Ernährungsumstellung oder Flächennutzungs-Beschränkungen studiert. Diese auf allen gesellschaftlichen Ebenen mehr als spürbare und zunehmende Aggressivität ist dabei als unterschwellige Panik zu begreifen – jene Panik, die alle Gewohnheitstiere erfasst, wenn sie gezwungen werden vom gewohnten Pfad abzuweichen. Der weitgehend zum Selbstzweck gewordene Hyperkonsum, dem diese Gesellschaft, diese Welt und insbesondere wir Deutsche verfallen sind ist eine Abhängigkeit, eine Sucht und wie Süchtige reagieren wir, wenn die stete Versorgung mit Stimulanzien und Privilegien gefährdet wird. Wären wir nicht süchtig und uns dabei im Kern wie nahezu alle Süchtigen unserer als hilflos empfundenen Abhängigkeit so schmerzlich bewusst, wir würden evidenzbasiert agieren, und so handeln, dass wir unseren Bestand als Spezies und als Individuen möglichst sicher garantieren können. Evidenz, jenes alles Moderne begründende Fundament ersetzen wir durch Dogmen, also Magisches Denken und unwidersprochenes Magisches Denken war seit jeher der Vorbote und Begleiter jedweden Untergangs.

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