Witzig, dass die, die seit Jahren das Gesundheitssystem maximal ausdünnen und gewinnorientiert umbauen, ihr Versagen damit nicht schnell genug gewesen zu sein, nun wegen #Corona als Erfolg verkaufen können.

Seit Jahren wird der Gesundheitssektor weniger als notwendige Infrastruktur, denn als Goldgrube für die Großkonzerne betrachtet. Es beginnt schon lange vor den Praxen und Betten, lange vor Pflege und Rettungsdienst. Freie Wissenschaft und Forschung in staatlicher Hand sind entweder längstens abgeschafft oder dienen, wo es sie noch gibt als billige Zulieferer privater Kapitalisierer. Der neoliberale Thinktank Bertelsmannstiftung hat noch letztes Jahr eine Studie vorgelegt, der zu Folge in Deutschland jede 2. Klinik geschlossen gehört und dass wohnortnahe Versorgung ein Luxus sei, den zu bevoraten nicht Aufgabe des Staates sein könne, wolle man wirtschaftlich effizient wirtschaften. Wenn wundert es da, dass wir heute nichtmal mehr simple Schmerzmittel bekommen, weil die im Ausland hergestellt und effizient „in Time„ geliefert werden. Also nur, wenn die Handelswege gerade offen sind. 

Es ist das ewige Gegensatzpaar, dass wir in Bildung, Transport, Energie und eben auch Gesundheit sehen: Privat optimiert sich nach dem minimalen Aufwand für das maximale Ergebnis, wobei Ergebnis monetärer Gewinn ist. Öffentlich optimiert sich mit maximaler Ordnung nach maximalen Ergebnis, wobei Ergebnis Leistungserfüllung und Ausfallsicherheit ist. Logisch: die Leistungsfähigkeit des Managers bemisst sich nach dem Mehrwert, den er durch Optimieren der Prozesse also Einsparen erreicht. Das bezieht sich auf den Regelfall. Öffentliche Infrastruktur hingegen kennt als Sollwert auch den Regelfall, jedoch bemessen wir den Erfolg des Politikers und des Beamten nach der Ausnahme. So wie nun Spahn. Alle halten ihn gerade für gut, weil wir 2/3 mehr Betten als der EU Durchschnitt haben, obwohl er eigentlich nur zu langsam war, dies abzubauen. Für das Vorhandensein eben dieser „Überkapazität“ werden wir gerade weltweit als die „vorausschauend gut organisierten“ Deutschen bewundert und sie hilft uns die Krise bislang bei aller Unordnung bis hierhin weniger dramatisch als der Durchschnitt zu bewältigen.

Manche Dinge sind nunmal Infrastruktur, wenn man eine Gesellschaft nicht nur als Wirtschaftsverband, sondern auch als Solidargemeinschaft begreift. Deswegen ist die Einführung privater Krankenkassen gesellschaftlich ebenso kontraproduktiv, wie die Privatisierung von Rente, Straßen, Sicherheit, Bildung oder eben des Gesundheitssystems an sich. Wir bekommen dadurch keine gute Leistung für alle, sondern mehr für wenige und weniger für alle.

https://www.spiegel.de/…/krankenhaeuser-experten-fordern-je…

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