Nummerierer

Du weisst, dass Du einen schönen Nachmittag hattest, wenn Deine Pfoten schwarz sind. Soweit, so normal, vor allem in dieser Gruppe. Heute allerdings nicht vom Drucken, sondern von der Mechanik. Mir ist ein Sack voll schwer vernachlässigter Nummerierwerke zugeflogen, verrostet, angelaufen, verklebt, blockiert. Technik, die nicht funktioniert macht mir spontan schlechte Laune und löst bei mir noch immer einen massiven Mutter-Reflex aus, auch wenn ich für die jeweilige Technik nicht wirklich Verwendung habe (Keine Sorge, das findet sich in aller Regel, ich wäre sicher nicht der erste, der sich eine größere Druckpresse anlacht, nur weil ihm eine schwerere Form in die Hände fiel). Also habe ich das gemacht, was ich wirklich gerne mache: ich habe mein Werkzeug rausgekramt. Die Kombination Handtiegel und Werkstatt ist ja an sich schon eine sehr naheliegende, aber bei mir ist das schon so ein Grundprinzip. Ich kann mir ein Leben ohne Werkstatt so wenig vorstellen, wie eine Maschine wahrhaft zu mögen, die nicht nach Maschinenöl riecht. Also die Werke erstmal mit Bremsenreiniger entfettet, dann ins Ultraschallbad, dann WD40, WD40 und nochmal WD40 und viel Zuwendung mit der Zahnbürste und den Fingerspitzen. Irgendwann gibt dann auch das verharzteste Werk ein erstes leises *Klick* als Lebenszeichen von sich. Auf diese Art und Weise wollten die meisten am Ende wohlig reanimiert, gereinigt, poliert und frottiert wieder ganz leicht mit leisem aber sattem Klicken und in neuem altem Glanz funktionieren.
Den Rest habe ich zerlegt, tiefengereingt und wieder zusammengesetzt – Uhrmacherarbeit, weil die intern aus filigranen Federn und Hebeln bestehen. Nur das eine Sünum-Werk (im Bild ganz oben rechts) konnte ich noch nicht reaktivieren, weil das nicht verschraubt, sondern verpresst ist. Wie ich das schadensfrei auseinander bekomme ist mir wie jedem Mechaniker mit Ausziehdorn völlig klar, aber ich fürchte es nicht mehr zusammen zu bekommen, da man dann etwa 30 Teile unter Spannung so aufreihen muss, dass man die Zentralwelle wieder einpressen kann. Klingt fuzzelig? Jupp, ist es auch, das Sünum-Werk misst ja gerade mal 42mm in der Länge. Also lasse ich dass erstmal eine zeitlang im WD40 Bad und probiere es dieser Tage auf mein Glück hoffend nochmal.
Mein persönlicher Liebling ist das Miniwerk mit 7p, wobei die handtellergroßen 24p Werke auch nicht ganz ohne Sexappeal sind. Und auch sehr nett, die verschiedenen Zählweisen: Klar, die meisten zählen normal vorwärts. Zwei zählen rückwärts, bei einem der 24p Werke kann man die beiden letzen Ziffern nur händisch einstellen, da diese nicht geschaltet werden. Die seltsamste Zählweise hat jedoch ein Werk das die Stellen entgegengesetzt zählt. Bei dem folgt auf 10000 20000 und auf 90000 folgt 11000, dann 12000, auf 19000 folgt 11100. Ich habe gerade absolut keine Idee was man damit zählen will. Vielleicht kennt ja jemand hier sowas.
Die Stempel No und * sind mir klar, aber weiß jemand was P bei einem Nummerierwerk bedeutet?
Feinmechanische Grüße aus der Gelegenheitsdruckerei.

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