Misogynistan

Die SPD hat Scholz nichtmal den Parteivorsitz zugetraut, jetzt gilt er als harter Wahlkämpfer-obwohl sein Erfolg im wesentlichen auf Schweigen und der fortgesetzten Selbstentblößung von Laschet beruht. Nun, die nunmehr vermeintlich ausschließliche Wahl zwischen schwarzer Pest und schwarzroter Cholera zu haben, ist zu einem Gutteil auch der Selbstverständlichkeit deutscher Misogynie geschuldet. Frauen werden halt um Klassen unnachgiebiger behandelt. Vor allem, wenn Sie in traditionelle Männerdömänen wie der Politik einbrechen. (Nur um dem dümmlichen Hinweis auf Frau Merkel und andere Politikerinnen vorzugreifen: Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Die Politik ist nicht nur statistisch betrachtet eine männliche.)
Ja, Frau Baerbock verspricht sich, verhaspelt sich bisweilen in Ungenauigkeiten, agiert ungeschickt, wie eben die Herren auch. Sind halt alles Menschen und alle stehen unter ziemlichen Erwartungsdruck. Gelogen hat sie indes im Gegensatz zu den Herren nie. Auch leidet sie nicht an strategischen Gedächtnislücken oder manifester und bei jeder sich bietenden Möglichkeit zur Schau gestellter Unanständigkeit. Verhaspeln und Ungenauigkeiten allein waren indes bereits Anlass genug, sie wochenlang hochnotpeinlich in einer endlos wärendend Erregungsspirale auf dem medialen Scheiterhaufen zu grillen und mit ihr ganz bequem auch gleich das Thema Klima im großen und ganzen für diesen Wahlkampf erstmal zu verbrennen – mit Laschet und Scholz stehen nun nur noch zwei zur Auswahl, die beide an der Mähr des „es dürfe keinen Klimaschutz zu Lasten der Wirtschaft geben“ stricken. So als wäre dies ein Widerspruch und Klimaschutz nicht der einzige Garant für nachhaltig und langfristig prosperierende Märkte.
Man kann nun lebhaft debattieren, ob die groteske Zelebrierung der medialen Zerlegung von Frau Baerbock in guten Teilen misogynen oder tatsächlich rein sachlichen Motiven entsprang, und ob Laschet weniger, gleich, oder gar mehr angegengen wird – man wird jedoch nicht bestreiten können, dass dieser Scheiterhaufen unsere Auswahl aktuell auf ein selbst für ausgesprochene Politikkeknner nur schwer differenzierbares schwarz-rotes oder rot-schwarzes Weiterso verengt hat.
Das wird für das was wir als Gesellschaft vorhaben und die Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen bei weitem nicht reichen.

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