Kabul Bräu

500, 1000, 2000, ja mit Familien sollen es gar plötzlich bis zu 10.000 Ortskräfte werden, die Deutschland aufnehmen will. Nur falls sich jemand fragt, wie die Bundesregierung, die sich jetzt in den Zahlen derer, die sie ausfliegen möchte so überbietet, als läge in der sicheren Distanz zur Machbarkeit allein in der Größe der Willensbekundung ein Ablass: Wir wussten was kommt, wir hatten die Mittel und wir hatten die Möglichkeit. Wir mussten nur eine Entscheidung treffen. Und genau das taten wir: der Bundesttag stimmte gegen die Evakuierung von Ortskräften und die Bundeswehr evakuierte mit militärischer Präzision 65.000 Bierdosen und einen 27t schweren Gedenkstein sicher aus Kabul.

Bier und ein Stein waren uns eben wichtiger als Kinder, Frauen und Männer. Und sind es noch, wie man am mantrahaften “2015 dürfe sich nicht wiederholen“ das gerade die Evakuierungszahlen flankierend begrenzt, so als könnten bereits leere Versprechen gefährlich werden, beredt ablesen kann. Ja, es stimmt: 2015 hatten wir für einen kurzen Moment einen Anflug von Anstand und liefen tatsächlich Gefahr das richtige zu tun.

Und ein Nachspiel wird es, wenn sich erstmal der Schleier des Vergessens über Kabul gelegt hat, wahrscheinlich auch nur wegen des Bieres geben, da der Rechnungshof monieren wird, dass die Transportkosten den Warenwert um ein vieltausendfaches überstiegen haben.

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