Der deutsche Sonderweg

Deutschland einig bräsig Stammtischland und seine Regierung tun tatsächlich alles, alles, aber auch wirklich alles damit Corona bleibt, wächst und gedeiht: Großraumbüros, Schulen, Reisen – alles was die Pandemie effektiv treibt ist offen, und das bis auf wohlfeile Lippenbekenntnisse, Verweis auf Eigenverantwortung und smarte Fensterpläne weitgehend konzeptlos. Dazu wird im Pandemie-Unterhaltungsprogramm der beliebte Lachnummer-Lockdown geboten – eine Art kollektiver Ausnahmen-, Eigenverantwortungs- und Verweigerungslimbo, dessen Reiz im wesentlichen darin besteht, zu sehen, wie lange eine völlig neurotische Kultur- vor allem aber Biernation von jetzt auf gleich einen kalten Entzug durchhält. Garniert wird dies mit einer wohl auf ekstatische Luststeigerung abzielenden, und daher fein abgestuften Impfverzögerung, welche zudem durch raffinierten Testentzug auf bislang ungeahnte Lustgipfelhöhen getrieben wird, wobei Tests und Impfungen zur Sicherheit und um die Aufenthaltsqualität von Corona nicht über Gebühr zu gefährden, natürlich strikt freiwillig sind. Zudem feiert Deutschland seine pandemischen Fähigkeiten auf den beliebten Bundesstammtischspielen „Wissenschaft ignorieren“ und „Finde den falschen Experten“, gesponsert von den Volksbildungseinrichtungen Google, Youtube und Telegram. Das All-you-can-Corona Bukett abrundend werden regelmäßig in allen kleinen und großen Städten die beliebten Virenparties veranstaltet, bei denen Unterhaltungsgrößen wie McSchwurbel, Wääää und DJ Opferrolle Erfolgsplatten wie „Karen kreischt“, „Wutopas Sicherungskasten brennt“, „Ich bin Anne Frank“ oder gerne auch den nationalrhythmischen Erfolgshit „Blutgericht Merkel“ auflegen, um dann gewohnheitsmäßig mit einer der allseitsbeliebten Seuchenpolonaisen von der eigenen Überlegenheit völlig besoffen, erratisch zuckend und mit zur Schau getragener maximaler Verzückung debil grinsend durch die Innenstädte zu wogen. Dass dies zuverlässig gelingt wird auf den föderalen Kindergartensitzungen der Ministerpräsidenten sichergestellt, die hierbei allzugerne von Lobbyismus-Experten aus der Wirtschaft und den Schulversagern der KMK unterstützt werden. Natürlich werden die Veranstaltungen von der eigens angewiesenen  Legislative aus Gerichten und Polizei geschützt, die noch jeden aus der Gosse gefischten Kassenbon als Attest sich nicht an Regeln halten zu müssen klaglos akzeptieren und etwaige Störer und Pandemieverweigerer vor und während der Veranstaltungen in die Schranken verweisen oder bei Bedarf auch mal handfest aus dem Weg räumen.

Ja, Frau Merkel trägt als Bundeskanzlerin hierfür die oberste Verantwortung sich nicht gegen die Runde rational irrlichternder Ministerpräsidenten oder auch nur gegen die anarchischen Freudenfeste scheueresker Selbstzerspahnung ihrer Regierung durchsetzen zu können. Aber der Erfolg Coronas ruht hierbei zuverlässig auf den Schultern all jener, die seit Jahr und Tag alles ihnen Mögliche daran setzen Teil des Problems zu bleiben. Teils weil sie zu halt zu schlicht für Grundrechenarten sind, teils weil sie sich lieber bereichern als helfen, teils weil sie einfach gerne Dinge kaputtmachen. Und der Erfolg ruht auf all jenen, denen die unbedingte Durchsetzung individueller Vorrechte so unglaublich viel wichtiger erscheint, denn die Möglichkeit zu verfolgen möglichst bald wieder ein Leben in kollektiver Sicherheit und Freiheit zu verbringen. Deutschland stirbt lieber im Vollgasrausch der Egoismen mit dem gefühltem Recht auf seiner Seite, denn am Abend der Einschränkung die Lieben seinen in den Arm zu nehmen und sein weiteres Leben zu genießen.

2 thoughts on “Der deutsche Sonderweg

  1. Hallo Guido, bin über Facebook zufällig auf Deine Seite gestoßen und bin sowas von begeistert von Deiner Arbeit. Ich finde Deine Bilder und Texte dazu so klasse, dass diese irgendwie öffentlich gemacht werden sollten. Du sprichst bestimmt vielen Menschen aus der Seele, vor allem denjenigen, die immer leiser werden im Angesicht der immer lauter werdenden und befremdlich anmutenden Allwissenden. Vielen Dank und liebe Grüße Tanja

    1. Moin, Danke für die Blumen:D Die Arbeiten sind ja öffentlich: bei Facebook und Twitter. Und alle halbe Jahre drucke ich die ja auch für Liebhaber in Kleinstauflagen.

      Lieben Gruß und Danke für den Zuspruch
      Guido

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