Merzenauer

Merz huldigt heuer Adenauer, was kein Wunder ist, steht Adenauer doch wie kein anderer für die alte Bundesrepublik und Zeiten vermeintlichen Wirtschaftswunder-Glücks und klarer geopolitischer Verhältnisse. Und als misanthroper Apologet des Gestern findet Merz Adenauer natürlich toll, so wie er natürlich meint Greta Thunberg in ihre Schranken weisen zu müssen weil sie Dinge fordere, die ihr seiner Ansicht nach nicht zustehen, weil sie kein legitimes Mandat habe (Was festzustellen für einen übrigens sehr bemerkenswert ist, der ohne Mandat die Gesamtheit seiner derzeitigen politischen Gestaltung wie sein Busenfreund Lindner rein auf der öffentlichen Verkündung von Forderungen aufbauen muss) Natürlich waren Adenauers Zeiten bei Lichte betrachtet genauso wild, vage, unbestimmt wie heute, aber es ist eben Vergangenheit und damit im Vergleich zu Gegenwart und Zukunft wohltuend geordnet, fass- und verortenbar. Früher war alles besser, ist nicht umsonst die Sure derer, denen Zukunft Unbehagen und Veränderung Angst bereitet. So ist es denn auch kein Wunder, dass 48,4% der AFD Wähler sich Merz als Kanzler wünschen. Das sind mehr als FDP Mitglieder dies wollen (41%) und erheblich mehr, als CDU Mitglieder sich dies wünschen. Und das ist nur zu verständlich, denn beide eint, dass sie zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben keine positive Vision vorlegen wollen oder können, nur ein- und dieselbe untergangsdräuende Versatzstückliste teilen, gegen was und wen sie alles sind: Frauenrechte, Flüchtlinge, Veränderung, Grüne, Greta, Linke, Arme, etc. pp. Nun, auch wenn man Merz ohne viel Mühe mit den Stiften optisch in Adenauers Nähe rücken kann, inhaltlich trennt beide eben jene Fähigkeit eine einende positive Vision vorzulegen. Adenauer stand auch und gerade vor dem Hintergrund seiner Biographie für einen Gesellschaftsentwurf, dem er seltverständlich qua Haltung bereit war sein Leben unterzuorden. Merz hingegen steht bis hierhin im wesentlichen erkennbar eigentlich nur für Merz, auch biographisch, dem er gerne qua Haltung seine politische Umwelt unterordnen würde, so man in denn lässt. Mit seiner Adenauer Huldigung bietet sich Merz nun implizit als Adenauer an, bleibt aber eben indem er es tut unverkennbar was er ist: Merz.

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