Altmaier verklärt in schräger Reichsfarben-Rhetorik „Einkaufen zur patriotischen Tat“. Was kommt als nächstes? Großdeutscher Konsum? Völkisches Shoppen?
Zeit für eine de-eskalierende Vokabelhilfe für verirrte Nationalkonsumenten: Den lokalen Einzelhandel durch Besuch stützen nennt man Solidarität. Und die braucht es, da hat er im Kern seines ralligen Aufrufes völlig Recht: den lokalen Einzelhandel, der ohnehin unter massiven Konjunktur- und Strukturveränderungsdruck im Wettbewerb mit dem Onlinehandel steht, trifft Social Distancing und die allgemeine Zurückhaltung der Deutschen im Zuge des Corona Nestbaus hart. Dabei gibt es auch zu Corona-Zeiten Bücher und alle möglichen Handelswaren im örtlichen Laden und nicht nur im Internet. Allerdings nur dann auch nach Corona noch, wenn wir jetzt nicht nur im Internet zuschlagen.
Darauf hinzuweisen geht aber auch ohne den nicht nur sprachlich fragwürdigen Altmaier Patriotismus, zumal im Einzelhandel ohne die Vielzahl nichtbiodeutscher genau nichts geht. Oder wie soll man patriotisch beim Italiener, Griechen, Syrer, Asiaten, Engländer einkaufen? Rabattkesselschlacht und Blitzkonsum?
Patriotismus ist wie eh und je die in knallbunte Vernunftsdämpfer verpackte Einigkeitsheischende im dunklen Herzen jedoch äußerst krawallige Beziehungsbrückensprengung für schwache Menschen, denen die leistungsfreie Herkunft wichtiger als das stetig sich und andere fordernde Streben nach guter Nachbarschaft ist.

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