Kein ganzes Menschenleben nach Auschwitz fällt also das Gedenken weitgehend aus und Nazis dominieren das Bild. Es ist dabei nicht Sachsen, besser gesagt sind wir alle Sachsen und es ist beschämend: Statt der für das Gelingen von Demokratie, insbesondere unserer Demokratie so ungemein wichtigen Erinnerungskultur überlassen wir üblen Revisionisten den Raum den wir selbst offenkundig nur noch mit halbherzigen Formakten aber nicht mehr mit den Herzen füllen können. Die Haltung, die es braucht, um dem Dämon der dieses Land und die halbe Welt schon einmal in Schutt und Asche legte entgegenzutreten, die entspringt nunmal nicht halblebigen und fallabhängig verschiebbaren Lippenbekenntnissen. Hätten wir als Gesellschaft uns heute in der Erinnerung unserer Haltung vergewissern wollen, wir hätten es getan. Und dass trotz Corona und auch unter Wahrung aller gebotenen Vorsicht, dabei für uns und alle weithin sichtbar. Wir sind findig, wir können das. Und hey: selbst Nazis können das, denn denen haben wir nicht nur heute die Straßen und die Aufmerksamkeit gegeben. Nur heute fiel es halt etwas mehr auf, als sonst. Dabei wissen wir aus bitterster Erfahrung: Nazis bekämpft man besser nicht erst, wenn man erschrickt. Man bekämpft sie bevor man erschrickt. Was wir jedoch gerade haben ist das genaue Gegenteil. Wir haben uns an Naziaufmärsche und Vorfälle in Alltag, Behörden, Verwaltung, Nachbarschaft und Politik schon so sehr gewöhnt, dass uns das Erschrecken bereits langweilt und als das Normale erscheint. Oder wie kann es beispielsweise sein, dass ein Innenmister bei der Weigerung nach zahllosen Vorfällen eine Untersuchung einzuleiten noch im Amt weilt oder dass der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN-BDA unwidersprochen die Gemeinnützigkeit entzogen wurde oder dass ausgerechnet am 9. November Nazis demonstrieren durften aber das öffentliche Gedenken an den Holocaust abgesagt wurde?

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