Zum ersten Mal seit 1945-47 müssen also Schüler wieder in Deutschland im Unterricht frieren.

Wir hatten lange Monate Vorbereitungszeit, wir wussten dass eine 2. Welle kommt und es war allen klar, dass das Virus auch im Winter ein Thema sein wird. Und nun sitzen Lehrer und Schüler mit Jacken im Klassenzimmer, weil, wie wir gerade erstaunt feststellen, man beim Lüften völlig unvorhersehbar Aussen- und Innentemperatur angleicht und dass die Aussentemperatur im Winter – hey und das konnte nun wirklich keiner ahnen – tatsächlich kälter als im Sommer ist.

So etwas passiert, wenn bei einer Pandemie neben echten Wissenschaftlern und Fachexperten auch entkoppelte Esoteriker, Aggro-Kolumnisten, haltungsbefreite Populisten, grundgrantelige Wutbürger, pfadklammernde Veränderungshysteriker und stabil verflüssigte Querdenken-Spinner als Experten begreifen und in den Diskurs einbeziehen möchte. Und das dabei noch nicht einmal, weil es davon so viele gäbe, und diese Melange gar die Mehrheit stellen würde. Nein, das Gros der Bevölkerung kann sehr gut mit solchen Situationen umgehen. Aber die zucken halt mit der Schulter und tragen es, und wenn es sein muss auch ne Maske und Abstand, wie man ein Schicksal im Alltag halt als erwachsener Mensch so trägt: ruhig, mit Fassung und eben nicht medial wirksam mit einer wirren Forderung auf einem Pappschild affektiv entrückt grinsend gegen Viren und Rythmus antanzend und den sofortigen Regierungssturz, notfalls auch gewaltsam fordernd.

Und dennoch schaut auch bei Corona wieder gefühlt alles, was in der Politik etwas zu melden hat wieder gebannt auf dieses Panoptikum aus Krakelern, Unfähigkeitsapologeten und Befürwortern magischen Denkens und ist dafür bereit Vernunft und Aufklärung gegen Religion und Wunschdenken auszuspielen.

Mann! Das hatten wir 2015, als wir aus einer Willkommenkultur eine Flüchtlingskrise bastelten und das haben wir jetzt wieder. Und wir haben es beim Klimawandel seit bald sechzig Jahren. Dabei ist der Unterschied sogar messbar: Wir wissen, dass schwache Menschen sich eine starke Führung wünschen und dass starke Menschen sich eine ruhige und besonnene Führung erbitten. Ein kleiner Blick auf die Umfragewerte – lang oder kurzfristig – könnte da dem einen oder anderen sich als starker „Macher“ anbietenden deutlich zu denken geben. Tut es aber nicht, was neben dem faktischen auch nicht eben für das politische Gespür der Laschets, Seehofers, Gaulands, Söders, Merzens, etc. spricht. So einen am Ende im Amt zu haben, bedeutet nur, die Besonnen auf dem Weg verloren zu haben. Daran müssen wir dringend arbeiten.

Können wir also bitte mal anfangen Politik für die nicht nur allgemein vernunftbegabte sondern auch im speziellen vernunftwillige Mehrheit zu machen und können wir bitte, bitte, bitte magisches Denken, Hysterie, Wut, Neid und anderes emotional und nicht vernunfter- und begründetes endlich mal als Aufgabe und nicht als Anleitung begreifen?

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