Und wieder 29 Polizisten, die einen gemeinsamen Nazi-Chatroom betrieben haben. Reul möchte nicht mehr von Einzelfällen sprechen, sieht aber auch kein strukturelles Problem. Er erfindet damit einen neuen, bis dato in der deutschen Sprache unbekannten Zustand zwischen Ausnahme und Normalität, also so etwa wie die amtliche Version von „ein bisschen schwanger“. Verständlich, denn vor lauter Einzelfällen kann man halt gerade kein grundlegendes #Polizeiproblem erkennen. Man fragt sich ob es seit Seehofers rauchendem inverslogischen Synapsenschluss, dass es keiner Studie bedürfe, weil es kein Problem geben könne, wenn etwas verboten sei auch nur eine Woche, ja auch nur ein paar Tage ohne mehrere „Einzelfallmeldungen“ gab. Und man fragt sich ab wieviel Einzelfällen gibt’s eigentlich Mengenrabatt? Wie auch immer, noch ein paar Einzelfälle und wir sollten vielleicht nicht darüber diskutieren, ob wir eine Studie oder gleich einen neuen Innenminsiter, sondern ob wir vielleicht im Verbund damit auch eine grundsätzlich neu aufgestellte Truppe brauchen. Ich frage für eine ziemlich lange Liste von Opfern rechter Gewalt, deren Fälle nie aufgeklärt wurden, weil Polizei, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft nicht, oder unglaublich nachlässig arbeiteten oder gar gleich Informationen an Tatverdächtige durchstachen, wenn die Bedrohung nicht ohnehin gleich aus dem Polizeiapparat hervorging, wie etwa beim mittlerweile bundesweiten NSU 2.0 Skandal.

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