Ein respektabler Politiker, ohne Frage. Aber eben auch ein bekennender Anticharismatiker, einer der es kämpferisch schafft bei seiner Vorstellung als Kanzlerkandidat den erwartungsfrohen Journalisten nicht einen einzigen zitierfähigen Satz zu schenken und das Reden ohnehin lieber indifferent lächelnd anderen überlässt. Dem wohl auch wegen dieser Wesenseigenschaft die eigene Partei den Vorsitz nicht zutraut und der wirtschaftsnah und konservativ genug ist, um kein Problem darin zu sehen als loyalster Mitarbeiter der Union zu gelten während er sich darin gefällt, geräuschlos und unauffällig seinen Platz in der zweiten Reihe hinter der Kanzlerin und als deren unkritische Verlängerung zu wuppen ist das personifizierte Stoßgebet der fortgesetzt ins Bodenlose taumelnden SPD vielleicht wenigstens Vizekanzler bleiben zu können. Niemandem Weh tun, auf bewährtes setzen, nicht auffallen und souverän lächelnd unsichtbar zu werden ist fraglos eine Eigenschaft in der es Olaf Scholz zur Meisterschaft gebracht hat. Olaf Scholz aufzustellen ist verständlicher parteitaktischer Realismus und Augenmaß. Ein guter, ja ein ausgezeichneter Ersatzspieler und ausgewiesener souveräner Etappenorganisator an Stelle eines sichtbaren Anführers als frühzeitige Eigenempfehlung der SPD an den Wahlsieger. Kompatibel mit allem ausser Söder, aber der ziert sich ja bis hierhin. 

Danke liebe SPD, Danke für den Mut. Eingedenk der Probleme von Klima über EU, Welthandel, auflammende internationale Konflikte, rasanten Verschiebungen der globalen Polittektonik, Corona bis Transformation der Arbeitswelt bräuchten wir allerdings dringend etwas anderes als ein scholzgewordenes unauffälliges Irgendwieweiterso.

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