Die Epoche der Aufklärung begann 1720. Sie bildet das Fundament der modernen von Wissenschaft, Vernunft und Demokratie geprägten Gesellschaft die als bislang einzige in der Geschichte der Menschheit Gegensätze und Verschiedenheit nicht nur nicht bekämpfte sondern als Schutzgut und Kraftspender begreift. „Ein jeder nach seiner Facon“ fasste Friedrich der Große, selbst Schöngeist und als bekennend Schwuler ein Paradiesvogel dieses Primat der gelebten, staatstragenden Diversität unter einem Dach zusammen.

Just 300 Jahre später tritt ein in sich diverser, bunt zusammengewürfelter Haufen Corona-Skeptiker an, diese Aufklärung mit exaltierten Tänzen und boshaft zur Schau getragener Dummheit qua Haltung und Tat revidieren zu wollen. Das Ringen um Erkenntnis der Aufklärung ersetzen diese programmatischen Post-Rationalisten durch den mit Furor nach aussen getragenen selbstgestrickten Gefühlsdusel, welcher auf passend selektierten Zufallsfunden, eifernder Esotherik und bornierter Dummheit fußt. Als wahr gilt dieser bewusst gepflegten und von sich selbst als kritisch denkender Verstand begriffenen schillernd irrlichternden Vernunftferne, alles was Anhänger in seiner Abgrenzung zu Wissenschaft und Moderne findet. Da sage noch einer esotherischen Alternativwissenschaften wie etwa Homöopathie hätte keine Nebenwirkungen. Zumindest auf die Geister Wohlstandsverwahrloster und Sinnsuchender scheint diese verheerend zu wirken.

„Ein jeder nach meiner Meinung“ wären wahrscheinlich Wahlspruch und Replik auf Friedrichs Satz der unter dem Banner des Corona-Skeptizismus vereingten Voll-, Teil- und Gelegenheitsverirrten, wenn Sie sich denn auf irgendetwas verbindendenderes ausser dem sie offensichtlich einenden dagegen zu sein einigen könnten. Wobei sie sich noch nichtmal einig scheinen, wogegen sie eigentlich sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.