Merz hat noch keine Wahl gewonnen, war nie Minister, hat ausser als Hoffnungsträger Parteiposten zu bekleiden und markigen Sprüche zu klopfen sein politisches Können bislang noch nicht unter Beweis stellen können. Au contraire: Wenn es nicht sofort gelingen wollte und es um die politische Kerner Arbeit der mühsamen Überzeugung ging, hat er lieber nach sich und seinem Vorteil geschaut denn an Partei oder gar Land zu denken: er ging einfach.

So auch jetzt. Er kommt nicht zum Verhandeln, er kommt zum regieren. Oder was immer er darunter versteht, offenbar im wesentlichen markige Kante zeigen und ohne nennenswerte Erfahrung oder zumindest Programm den harten Macher geben. Eben einer aus der Wirtschaft, wobei er ja in der Wirtschaft nie ein Gestalter mit Verantwortung war. Mehr ein Lobbyist, also jemand der seine politischen Kontakte geschickt in gut dotierte und dabei transpirationsarme Wirtschaftspositionen ummünzen konnte, als man ihm in der Politik nicht sofort gab, was er bereits für sich bestimmt sah.

Dabei ist Merz ein seltsam inhaltsloser Posterboy, ein irgendwie wertkonservatives Werbeversprechen der Chimäre des besseren Gestern, eine Art Christian Lindner für die Generation, für die ein Christian Lindner immer zu jung bleiben wird um ihn wirklich ernst zu nehmen. Wobei man Christian Lindner dabei wirklich zu Gute halten muss, dass er die FDP mühsam und unter Entbehrungen auf sich zugeschnitten hat als die Partei völlig am Boden war. Und sei es, weil Lindner keine verscherbelnswerten Kontakte mehr hatte, die ihm ein Auskommen in der Wirtschaft ermöglicht hätten.

Merz hingegen kommt bislang nicht, um irgendwen zu überzeugen, er kommt, weil man ihn rief. Ein entscheidender Unterschied. Es geht ihm soweit bislang erkennbar auch sichtbar nicht um die Partei, nicht um das Land, nicht um die Menschen, es ihm nur um ihn. „Ich“ ist sein Program und „Ich“ ist seine Qualifikation. Und das gekränkte „Ich“ wird auch sein, woran er scheitert, oder wir mit unter unter ihm.

Wer also den Lobbyisten Merz als geeigneten Kanzler sieht, der würde auch dem Aufsichtsrat der Ladendiebe wegen seiner Qualifikation die Filialleitung für den Supermarkt antragen. Ups: Merz war ja Aufsichtsrat der Ladendiebe. Sachen gibt es.

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