Die Raserei auf Autobahnen beenden, weniger Plastikmüll produzieren, nachhaltiger wirtschaften, weniger ausbeuten, mehr zum Erhalt auch der eigenen Art beitragen… Wirf einen Stein und triff ein vernünftiges Argument, beginne darüber nachzudenken und ein Geysir aus Wut, Schimpf und Ekel wird sich augenblicklich eruptiv aus der der Ebene der Diskussion erheben. Freiheit! Tradition! Recht! Zu deutsch: Ich! Meins! Mir! 

Egal an welcher Stelle des Miteinanders man auch darüber nachdenken möchte, wie die Lebewesen auf dieser Erde verträglicher miteinander auskommen – der von ihrem Dominanzgehabe getriebenen fragilen Männlichkeit mit akuter Achtsmkeitsallergie platzt spontan eine eitrige Ader. 

Und nun eben die sofort höchstemotionalisierte Diskussion ob es das Ende jeglicher deutscher Tradition und Freiheit sei, zu Sylvester die Innenstädte nicht zu Kriegsgebieten umzuwidmen in denen Männchen das Recht ausleben teils betrunken, oft aufgeputscht, Sprengstoff in und auf alles zu werfen, was wahlweise brennen oder schmerzen oder beides kann. 

Mäßigung war mal eine Deutsche Tugend. Heute soll es Deutsch sein mit egal was so lange und so massiv jedes Maß zu verlieren, bis nur noch Gesetze und Verbote helfen. Wir sehen das bei der Mobilität, beim Artenschutz, beim Fleisch, bei den Waffenexporten, bei der Nächtenliebe, beim Müll, beim Umweltschutz, bei egal was nur funktioniert, wenn man von Haus aus mit Mäßigung klarkommt. 

Und nun eben auch beim mittlerweile völlig enthemmten Umgang mit der Böllerei zu Sylvester. Wo man früher zwischen Gespräch und Glückwünschen unter Nachbarn zur Freude der Kinder zwei drei kleine Knaller zündete, ist heute die brachiale alles übertönende Kackophonie über Stunden dauerfeuernder Batteriefeuerwerke Standard in der vom Pulverdampf auf Armlänge reduzierten Sichtweite der Innenstädte. Und im Nebel Mengen von Männchen die sich gegenseitig absichtsvoll und ohne Rücksicht auf Leib, Leben und Gut mit Feuerwerk bewerfen und beschießen. Das ist weder Tradition noch Freiheit, das ist einfach nur Irrsinn. 

Niemand spricht gegen Feuerwerk, aber jeder Blick in die Unfall-, Feuer- und Polizeistatistik spricht laut und deutlich gegen die Freigabe von Feuerwerk an jedermann. Und von der verheerenden Wirkung des Irrsinns auf Tiere und Umwelt ganz zu schweigen.

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